Mag. Bettina Langenfelder



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10 Irrtümer über Lese-Rechtschreibschwäche

24.02.2019 00:00

Zum Thema Lese-Rechtschreibschwäche gibt es viele Irrtümer, die sich hartnäckig halten und immer wieder weiter transportiert werden, obwohl die Forschung bereits die eine oder andere Annahme widerlegt hat.

1.       Legasthenie ist eine Diagnose.

Falsch. Legasthenie ist der umgangssprachliche Begriff für die klinischen Diagnosen nach ICD 10 F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung, F 81.1 isolierte Rechtschreibstörung und (neu) isolierte Lesestörung

2.       Legasthene Kinder sind dumm, faul oder üben zu wenig.

Eine Minderbegabung ist ein Ausschließungsgrund für Legasthenie, betroffene Kinder sind durchschnittlich bis überdurchschnittlich begabt. Oft üben sie auch überdurchschnittlich viel – ohne Erfolg, was sich auf die Motivation und das Wohlbefinden negativ auswirkt. Der Leidensdruck bei Kindern und Eltern ist oft sehr hoch bis die Diagnose „Lese- und Rechtschreibstörung“ eine Erklärung und oft auch eine Entlastung bringt.

3.       Lese-Rechtschreibschwäche wächst sich aus oder ist abtrainierbar.

Leider nein. Im Training kann man an Kompensationsmöglichkeiten arbeiten, an der Motivation und am Selbstvertrauen der Kinder. Natürlich ist es möglich, einen Entwicklungsrückstand aufzuholen und das Lesen und Rechtschreiben zu verbessern. Ganz wegtrainieren lässt sich eine Lese- und Rechtschreibstörung jedoch nicht.

4.       Linkshänder sind häufiger betroffen als Rechtshänder.

Die Händigkeit hat keinen Einfluss auf die Lese- oder Rechtschreibleistung.

5.       Es gibt typische „Legastheniefehler“.

Kinder mit einer Rechtschreibstörung machen keine besonderen oder typischen Rechtschreibfehler. Sie machen nur viel mehr Fehler und oft auch immer wieder andere. So kann es passieren, dass in einem Text ein Wort richtig geschrieben wird und ein paar Zeilen darunter wieder falsch. Die Rechtschreibsicherheit fehlt meistens.

6.       Kinder mit Rechtschreibschwäche haben auch motorische Schwächen.

Es kann sein, dass sich auch motorische Schwächen oder graphomotorische Probleme zur Rechtschreibschwäche gesellen, muss aber nicht sein.

7.       Durch Training von Raum-Lage-Orientierung und Wahrnehmungsübungen vermindern sich auch Rechtschreibfehler.

Wahrnehmungstrainings trainieren die Wahrnehmung. Raum-Lage-Orientierungsüben trainieren eben das. Und Rechtschreiben wird durch Schreiben trainiert.

8.       Legasthenie kommt nur bei Buben vor.

Tatsächlich ist die Anzahl der Burschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche ein wenig höher als die Anzahl der betroffenen Mädchen (1,5:1). Insgesamt geht man davon aus, dass je nach Definition bis zu 10% der Kinder betroffen sind, d.h. in jeder Schulklasse mindestens 1 Kind. Allerdings werden Burschen häufiger klinisch vorgestellt als Mädchen.

9.       Lese-Rechtschreibschwäche ist schon in der 1. Klasse absehbar.

Risikokinder kann man schon im Kindergarten absehen, diagnostizierbar ist eine Lese- und Rechtschreibstörung allerdings erst im 2. Halbjahr der 2. Volksschule. Sprachentwicklungsstörungen sind oft ein Hinweisgeber für Legasthenie, ebenso wie Schwierigkeiten in der phonologischen Bewusstheit (Sprache in Laute, Wortbausteine, etc. zerlegen).

10.   Wenn das Lesen betroffen ist, ist auch die Rechtschreibung schlecht.

Falsch. Es kann sein, dass die Rechtschreibung wunderbar gelingt aber nur das Lesen betroffen ist. Hier spricht man von einer isolierten Lesestörung, die oft erst sichtbar wird, wenn die Kompensationsmöglichkeiten des Betroffenen ausgeschöpft sind, manchmal erst im Erwachsenenalter.